Gratis bloggen bei
myblog.de

-> Blog
Aktuelles


-> Archiv
Seit Anbeginn


-> Mandy
Ihre Geschichte


-> R.I.P.
Liebe vergeht nicht


-> Erinnerungen
Unvergesslich


-> Off Topic
Erwähnenswert


-> Abo
Treu bleiben


-> Gästebuch
Das war's
Gratis bloggen bei
myblog.de

Die Geburt von Helena
Geschrieben am 22.09.2012;

Montag Abend, kurz vor Mitternacht. Mein Mann ist ins Bett gegangen, schließlich muss er früh raus. Nach kurzem Überlegen habe ich mich, übermüdet wie ich war, gegen eine Folge Verbotene Liebe entschieden (gute Entscheidung, wie sich nachher herausstellte) und bin ausnahmsweise "so früh" mitgegangen – in der Hoffnung mit den Schmerzen endlich mal schlafen zu können. Immerhin hatte ich seit Wochen vorzeitige Wehen und seit 2 Tagen dann schon ziemlich regelmäßig, nur leider noch nicht stark genug. Die +19 kg taten meinen Knochen auch nicht gut.

Nachdem ich dann irgendwann endlich eingeschlafen bin, musste ich wenig später um 4:30 Uhr schon wieder auf. Meine verdammte Blase! Dann habe ich mich wieder hingelegt - vielleicht klappts ja mit dem Einschlafen nochmal! Aber Fehlanzeige. Die Kleine war wach und hat herumgestrampelt. Schließlich hat sie mir einen gewaltigen Tritt verpasst, autsch! Dann lief es auch schon los... Hat sie doch tatsächlich die Fruchtblase kaputt gemacht.

Kurze Anmerkung zwischendurch: Ende Juli haben wir uns neue Matratzen für knapp über 1000,- € gekauft. Obwohl man mich für verrückt und geldverschwenderisch erklärt hat – vorzeitigen Blasensprung haben ja nur etwa 5% der Schwangeren, davon natürlich nicht alle im Bett – habe ich wenige Wochen vorher genau für diesen Fall eine Inkontinenzauflage gekauft. Und wehe jetzt sagt noch einmal jemand die 10,- € hätte ich mir sparen können!

Bin ich also mit der Hand zwischen den Beinen ins Bad zur Toilette gewatschelt und habe ordentlich meine Spuren auf dem Weg dorthin hinterlassen. Dann lief es erstmal und lief und lief und lief... Noch schnell einen Ph-Test gemacht und die Bestätigung: Fruchtwasser. Ich habe also ein Badetuch geschnappt, schön zwischen die Beine gestopft und bin zurück ins Schafzimmer. "Schatz???", war schon lustig, als mein Mann geschockt dachte er hätte verschlafen und erstmal das Handy gesucht hat, "meine Fruchtblase ist offen!". Und schwupps – schon war der gute Herr hellwach
Er hat das Bettlaken angeschaut, realisiert, ist aufgesprungen, wusste wohl nicht so recht wohin mit sich und hat sofort allen nötigen Krams zusammen gesucht. Wie süß! Ich habe mir in aller Seelenruhe einen Kaffee gemacht und bin dann ausgiebig duschen gegangen – wusste ja, dass der Kopf schon tief im Becken festsitzt und nichts passieren kann.

Um kurz nach 6 Uhr sind wir dann zum Krankenhaus losgefahren. "Du Schatzi, du weißt aber schon, dass das Krankenhaus in die andere Richtung ist?!" – "Oh, stimmt." Göttlich! Gegen 6:30 Uhr kamen wir dann im Krankenhaus an, mir gings blendend, die Wehen waren nicht stärker als an den Tagen vorher auch. Die Hebamme hat direkt mal die Lage gecheckt und festgestellt, dass der Gebärmutterhals komplett verstrichen und der Muttermund derzeit fingerdurchlässig ist. CTG: regelmäßige Wehen, aber wie gesagt nicht stark genug. US wurde auch gemacht, aber die Kleine lag so schief drinnen, dass man weder etwas vermessen konnte noch sonstwas. Macht nichts – ihr gings gut und das war die Hauptsache. Einen venösen Zugang habe ich aus Angst einer erneuten Thrombophlebitis verweigert, diesen wollte ich erst, wenn er nötig war.

Um 10 Uhr, als ich dann stationär aufgenommen und der restliche Papierkram erledigt war, sowie der Muttermund 1-2cm offen war, sollte ich zur Wehenanregung spazieren gehen und um 12 Uhr wiederkommen zur Kontrolle. Tja, da hat es dann angefangen. Holla die Waldfee, dachte ich mir, die Pipifax-Wehen und Schmerzen der vorherigen Wochen kamen mir plötzlich absolut lächerlich vor. Sie kamen alle 7 Minuten, waren aber noch recht gut zu veratmen. Die Zeit haben wir genutzt und ein bisschen in der Verwandtschaft rumtelefoniert, dass heute noch die Geburt ansteht. Um 12 Uhr waren wir zurück in der Klinik und es wurde mal wieder nachgesehen was sich getan hat. Siehe da, Muttermund 2-3cm und schönes CTG. Habe mir ein Zäpfchen gegen Schmerzen geben lassen (PDA wollte ich dummerweise auf gar keinen Fall, weil ich die Geburt mit allen Schmerzen bewusst wahrnehmen wollte), da ich immer noch keiner Braunüle zugestimmt habe.

13 Uhr, wir wurden wieder für 2 Stunden spazieren gehen geschickt, also nächste Kontrolle dann um 15 Uhr. Ich muss sagen, diese 2 Stunden haben meine Abneigung gegen spazieren gehen mehr als bestätigt. Wehen kamen inzwischen alle 4 Minuten und ich habe das Veratmen aufgegeben. Mit jeder Wehe musste mein Mann mich festhalten und ich hätte am liebsten geschrien. Den Leuten zuliebe, die ebenfalls im Klinikgarten rumliefen, tat ich das nicht. Zu dem Zeitpunkt, was sich bald änderte, konnte ich nämlich tatsächlich noch leichtes Schamgefühl verspüren. Es wurde mit jeder Wehe schlimmer und ich bin verwundert und fasziniert wie ich es um 15 Uhr noch stehend und gehend ins Krankenhaus geschafft habe. Befund: Muttermund bereits 5 cm geöffnet.

Ab da an ging es ganz schnell, meine Erinnerung wird fortschreitend weniger. Tja, ich konnte mich gar nicht mehr umsehen, da hat ein wahnsinniger Schmerz schon meinen kompletten Körper durchzogen. Autsch, was war das denn?! Da hatte ich schon Tränen in den Augen. 2 Minuten später schon wieder. Und wieder. Und wieder... Her mit der Infusion!!! Man hat mir 1000mg Paracetamol rangehangen. Gemerkt habe ich davon nichts. Die Wehen wurden immer krasser, ich habe Rotz und Wasser geheult, habe geschrien und mich auf dieser verdammten Liege gekrümmt. Habe die Hebamme gebeten mich umzubringen, wollte sie nicht. Nicht einmal aus dem Fenster durfte ich springen, obwohl ich heulend und flehend darum gebettelt habe.

Die Ärztin kam dazu, weil das CTG durch mein Rumgehample wohl keine Verbindung mehr hatte. Man hat mir Glucose und ein Opiat drangehangen, fragt mich nicht welches. War mir in dem Moment scheißegal. Wie alles andere auch. Uhrzeit? Keine Ahnung. Mir wurde etwas schwummrig davon. Warum werden die verdammten Schmerzen immer stärker??? Ich habe die Hände meines Mannes zerquetscht, dem ich offensichtlich ziemlich leid tat, habe mein T-Shirt zerbissen, die "Bettlehne" zerkratzt, immer noch geheult und geschrien, ..., dann habe ich gehört: 8 cm.

Man hat mir die 2. Dosis Opiat gegeben, die Höchstdosis, also 3, darf nicht überschritten werden. Der Schmerz hat mir den Verstand geraubt, ähnlich einem Filmriss, ich erinnere mich ab da an nur noch an Bruchteile. Weiß noch, dass ich mich gegen meinen Willen in Vierfüßlerstand begeben sollte, weil die kindlichen Herztöne abgefallen sind. Meine vorbelasteten Knie tun immer noch weh. Muttermund war komplett offen und ich sollte mitschieben. Ging nicht! Hatte keine Kraft mehr. Habe die letzte Dosis von dem unbekannten Opiat bekommen und sollte mich an der Liege abstützend hinstellen (hat sich im Nachhinein als einzig richtige Entscheidung herausgestellt, da die Nabelschnur mit 30cm viel zu kurz war). Mein Mann hat mich an den Armen festgehalten, weil ich meinen Körper nicht mehr gespürt habe, meine Beine haben einfach nachgegeben. Der Arme hat immer noch Muskelkater und ich blaue Flecken. Macht nichts. Man hat mich und den Kopf meines Kindes, der schon rausgeschaut hat, an irgendwelche Kabel angeschlossen, warum auch immer. Hatte wohl was mit den Herztönen zu tun.

Weiter gings. Ich wollte unbedingt noch etwas gegen die Schmerzen. Die waren so unbeschreiblich abartig, das kann sich kein Mensch vorstellen, der noch kein großes Kind natürlich entbunden hat. Habe mich geweigert weiter zu pressen, weil ich vor jeder erneuten Wehe mit den verbundenen Schmerzen so wahnsinnige Angst hatte. Also hat man mir noch was rangehangen. Ein Fehler, wie sich nachher herausstellte, gemerkt habe ich davon nämlich nichts, bin davon ausgegangen, dass mir kein Mittel der Welt mehr helfen kann. Habe also mitgemacht so gut ich konnte, mein Leben verflucht, habe noch mehrfach kundgetan, dass Sterben mein größter Wunsch ist, habe gemerkt wie mir untenrum alles reißt, es hat gebrannt wie Sau, ich habe geschrien wie eine Bekloppte und dann... dann sehe ich, dass auf der Infusionsflasche "Placebo" steht. Wie ich jetzt abgegangen bin will man sich besser nicht vorstellen... man war ich sauer! Habe irgendwas gefaselt vonwegen "ihr könnt mich alle mal" und habe dann unter den schlimmsten Schmerzen meines Lebens so heftig gepresst wie ich nur konnte und dann endlich ... endlich!!!!!! Ein Schrei.

Sie war da!
Helena ist geboren! Am 18.09.2012 um Punkt 18 Uhr, sie wiegt 4280g, ist 54cm groß und hat einen KU von 36cm. Wie wir kurz darauf auch erfahren haben: Sie ist kerngesund!

Mein Mann hat die Nabelschnur durchgeschnitten, ich habe noch gespürt wie mir das Blut die Beine runtersickert, habe meine Tochter gesehen, "Hey meine Süße, ich hab dich lieb, du hast mir so verdammt weh getan...". Und dann? Ja, gute Frage... dann war ich weg. Ich dachte immer ich wäre stärker als der Schmerz, aber diesmal hat er wohl gesiegt.

Meine nächste Erinnerung ist, dass ich wieder auf dem Bett lag und meine Tochter in meinem Arm lag. Sie ist das Beste, was uns passieren konnte!
Der Schmerz war vollkommen vergessen. Zumindest bis man mir wie blöde am Bauch rumgedrückt hat, um die Plazenta rauszudrücken (sah echt lustig aus das Teil – hab ich mir direkt einfrieren lassen). Naja und bis der Arzt kam und mich genäht hat – bin dreifach und heftig gerissen (die genauen Lokalisationen erwähn ich mal besser nicht), weil meine Kleine zusätzlich zu ihrem Dickkopf ihre Hand gleichzeitig mit rausgestreckt hat. Eine Superwoman also ;D

Fazit:
So schrecklich es auch war, die heftigsten und abartigsten Schmerzen, die ich je hatte, es hat sich jede Sekunde gelohnt! Dennoch lasse ich mir beim nächsten Mal, sofern es das gibt, eine PDA geben – lieber lasse ich mir den natürlichen Geburtsschmerz nehmen als einen Teil des Gedächtnisses, das mich daran erinnert! Achja und genau, die Angst vor der Thrombophlebitis war berechtigt. Nun bin ich fleißig am Heparin schmieren
Gratis bloggen bei
myblog.de